Es gibt wohl kaum einen Sneakersammler – besonders unter denen, die schon ein paar Jahre länger diese Leidenschaft verfolgen -, der nicht mindestens einen Turnschuh besitzt, zu dem er einen besonderen Bezug oder eine spezielle Geschichte zu erzählen hat. Und je älter und ikonischer eine bestimmte Silhouette ist, desto mehr solcher Stories gibt es über diese natürlich zu erzählen.
Und von ikonisch kann man zu Recht bei dem Nike Air Max 180 und dem Nike Air Max 93 sprechen, die nun beide zur großen Freude unzähliger Sneakerliebhaber wieder als Retro erschienen sind.

Der Nike Air Max 180 ist das erste Mal 1991 erschienen und genaugenommen fehlte damals der Superlativ im Namen und er hieß schlicht Nike Air 180. Aber das war auch schon “max” genug, denn bis zu diesem Zeitpunkt hat es noch keine Bubble mit transparenter Außensohle gegeben, die zudem auch noch 50% mehr “Air” als alle vorhergehenden Systeme geboten hat. Diese Tatsache, kombiniert mit dem schlanken Design und den poppigen Farbakzenten (z.B. beim Ultramarine in marineblau und pink) haben diese Silhouette schnell zu einer der beliebtesten aus der Nike Range werden lassen.

Ein weiteres Highlight hat für einen enormen Popularitätsschub gesorgt: 1992 hat Michael Jordan während der Olympischen Spiele in Barcelona – wo die weltweite Aufmerksamkeit auf das US-amerikanische Basketball “Dreamteam” gelenkt war – in seiner Freizeit den Nike Air 180 “Concord” in weiß/lila/gold getragen und das hat natürlich eine unglaubliche Menge von Leuten auf dieses Modell gestoßen.

180° sichtbarer Dämpfung hat natürlich auf Dauer nicht gereicht und frei nach dem Motto “je mehr, desto besser” hat Nike dann im Jahr 1993 den Air Max 93 herausgebracht und hier umfasst das sichtbare Lufkissen schon satte 270°, was ihm damals den inoffiziellen Beinamen Nike Air 270 bescherte. Für dieses extra große Luftkissen wurde erstmals eine neue Blasformtechnologie verwendet, bei der das Gas mittels einen externen Rohrs in die Bubble eingeführt wurde. Der 93er hatte aber noch ein weiteres Novum vorzuweisen: es handelt sich hierbei nämlich auch um das Modell mit der ersten farbigen Air Unit.
Der Nike Air Max 93 war zwar nicht so ein krasser Erfolg wie der 180er oder wie manch andere Silhouetten aus der Air Max Reihe, aber genießt trotzdem – gerade unter Sammlern – einen absolut hohen Stellenwert.

Einer von diesen Liebhabern ist Coolmodie, den wir besucht haben und mit uns seine persönliche Air Max 93 Geschichte geteilt hat:

“Wie fing die Leidenschaft für die AM 93 an… lasst mich kurz überlegen, da dies bei mir ja auch schon ein paar Tage her ist, als ich die Silhouette das erste mal sah.
Die Faszination für den AM93 leitet sich beim mir vom Air Huarache ab. Wenn man den AM93 am Fuß trägt und drauf schaut, könnte man auf den ersten Blick von oben denken, dass es ein Huarache sei.

Aber das besondere beim AM93 ist natürlich das Air-System, welches den hinteren Bereich der Sohle mit einer 270 Grad Ansicht schmückt. Dadurch erhielt er auch im Volksmund den Namen Nike 270.
Leider war es Ende der 90er – als ich sie mir dann endlich hätte leisten können – sehr schwer, noch ein Paar AM93 zu ergattern. Das Internet steckte noch in den Anfangszeiten, daher beschränkte man sich auf Freunde, Bekannte und einige einschlägige Läden, die es zu dieser Zeit gab . Als ich 1998 langsam das Internet für mich entdeckte, kam ich auch recht schnell zur Plattform Ebay (daher auch mein Name coolmodie).

Dort konnte ich  dann auch endlich ältere Schuhe leichter bekommen, aber leider waren die Preise für gute AM93 und AIR180 so verdammt hoch, dass es erstmal noch ein Traum blieb, ein Paar zu bekommen .
Daher freute ich mich sehr als im Jahre 2002 die ersten Retros bei FootLocker im Regal standen . Endlich hatte ich den Schuh mit dem riesen Air-System an meinen Füßen!
Ich holte mir natürlich Stück für Stück alle vier OG colorways. Von den  diesen vier Paar habe ich leider nur noch eines – den lila orangen(citrus) –  in meinem Besitz.
Ich habe leider den Fehler gemacht und habe die anderen drei Paar verkauft, da 2005 die History of Air Serie kam und ich mir dachte, dass ich mir dann alle wieder „FRESH“ hole .
Pustekuchen… leider waren die HOA AM93 nicht mehr identisch mit den ersten Retros. Das Air Bubble ist geschrumpft, was ich persönlich sehr ärgerlich fand und dem Schuh ein ganzes Stück Persönlichkeit genommen hat.
Mittlerweile wurde der AM93 schon 3mal neu aufgelegt und natürlich freue ich mich auch jetzt wieder auf die 4. Auflage des Nike Klassikers von Tinker Hatfield.”

Eine ganz klassische Geschichte also, die viele Sneakersammler, die ihre Leidenschaft in den 90ern und frühen 2000ern für sich entdeckt haben.

So wie z.B. auch bei Marc, der von einem ähnlichen Schlag ist und der auch so einiges an Stories parat hat.
Deshalb haben wir uns auch ihn geschnappt und haben ihm ein paar Fragen zu dem Nike Air Max 180 und seinem persönlichen Bezug zu diesem Modell gestellt.

Marc… wann hast du dir denn deinen ersten Nike Air Max 180 geholt?

Marc: Das erste Mal mit Air Max bin ich aber schon mit 14 Jahren bei der Jugendweihe in Kontakt gekommen, aber da waren Air Max 97 ganz groß, der teuerste Schuh zu D-Mark Zeiten.
Die Retroauflagen vom 180er, die 2005 heraus kamen – da war ich 19 Jahre alt – waren so die ersten, die für mich interessant waren, da die Schuhe im jüngeren Alter für mich finanziell nicht zu erstehen waren.
Als ich dann aus der Schule raus und in der Lehre war – wie auch schon in manchen Interviews niedergeschrieben – fing es so ein bisschen mit der Sammelleidenschaft an. Da waren dann auch die finanziellen Gegebenheiten da und als dann 2005 Retros vom 180er  OG ultramarine und dem OG Wmns lime kamen, hab ich mir die gleich doppelt und dreifach geholt. Ich war halt nicht alt genug, als dass ich noch Originale hätte tragen können. Bei mir fing alles mit der ersten Retro-Charge an.

Was bedeutet der Air Max 180 für dich? Auch im Kontext mit anderen Air Max Silhouetten.

Marc: Die Besonderheit sind für mich immer die Erinnerungen und Emotionen, die man immer mit einzelnen Schuhen verbindet. Ich habe mich damals in meiner Jugend schon immer sehr am Fußball Umfeld orientiert. Ich bin im Osten in Hohenschönhausen  großgeworden und war damals als erstes immer im Sportforum bei den Eisbären beim Eishockey war. Darüberhinaus bin ich während meiner Schulzeit dann auch immer zum BFC Dynamo zum Fußball gegangen und habe da die erste Stadionatmosphäre geschnuppert. Man hat sich da automatisch den Kleidungsstil von den Großen abgeguckt. Wie das immer so ist, orientiert man sich an den älteren und “cooleren” Leuten. Frei nach dem Motto “haste was, biste was – haste nix, biste nix” gab es dann immer so Persönlichkeiten, zu den man aufgeblickt hat und da war dann auch immer der Dresscode ganz wichtig. Bei Fußball war es – gerade auch in der Ultra und Hooligan Szene – immer ganz wichtig, besondere Kleidungsstücke zu tragen, die irgendwie speziell, nur in einer geringen Auflage erhältlich oder qualitativ hochwertig verarbeitet waren. Und hier kommen wir mal wieder zum 180er, der für mich ein “salonfähiger” Schuh war, der damals tatsächlich in der Fußballszene oder auch in der Hooliganszene gekauft und getragen wurde und der sich einer hohen Beliebtheit erfreut hat. Das hat mich in der Jugend und in der Schulzeit auf jeden Fall geprägt.

Legst du Wert auf die Unterschiede zwischen den ganzen Retros, die danach noch gekommen sind? Und wie findest du die aktuellen Retros? Vergleichst du die Retros überhaupt miteinander?

Marc: Generell bin ich schon immer streng bei der Betrachtung von Retros. Tatsächlich habe ich damals die ersten Retros von 2005 nie mit der originalen Bauweise der 180er verglichen. Ich war einfach froh, dass man dieses Kultobjekt und Statussymbol überhaupt wieder kaufen konnte. Der Shape, von dem man ja immer so gerne spricht war damals gut, d.h. er war schnittig. Wichtig waren auch immer die Farben. Das waren für die Generationen, die in den 90er Jahren groß geworden sind halt die typischen 90er Jahre Elemente: der Hauptbestandteil relativ schlicht, bzw weiß mit schönem Mesh aber aufpoppende, knallige Designelemente – bei Lime eben das lime und beim Ultramarine das pink., was heraussticht.
Ab 2005 gab es über die Zeit ja mehrere Retros, wo man auch Unterschiede feststellen konnte. Meiner Meinung nach gab es bei dem 180er aber auch für Liebhaber keine gravierenden Unterschiede festzustellen. Was man von Re-Issue zu Re-Issue tatsächlich erkennen konnte, war die unterschidliche Größe des Air Pads. Bei der originalen Bauweise von 1991 kann man sagen, dass die Air Unit am größten und voluminösesten war und diese bei den Folgeversionen immer abgespeckter stattgefunden hat. Und da sind jetzt bei den Retros in der Zeit von 2005 bis 2018 kleine Nuancen festzustellen. Ich würde sagen, dass die aktuelle Version von 2018 die kleinste Air Unit hat, die ich bisher wahrgenommen habe. Für mich ist das nicht zwangsläufig negativ, ich achte da eher auf den Shape. Und den bewerte ich beim aktuellen Retro gut. Ich bin auch der Meinung, dass der 180er kein Modell ist, bei dem Sammler behaupten können, dass bei den unterschiedlichen Jahrgängen gravierende Unterschiede festzustellen sind, die negativ auszulegen wären. Es gibt auch immer wieder farbliche Nuancen, die voneinander abweichen, gerade beim Ultramarine. Das ist die OG Farbgebung, die sich alle 3-5 Jahre immer wieder als Retroversion durchsetzt. Hier gibt es ganz klar immer mal wieder kleine Unterschiede sowohl beim Ultramarine-Blauton als auch beim Pink, aber das ist für mich alles im Rahmen. Das 90er Jahre Feeling bleibt hier erhalten. Demzufolge ist es auch für die jüngere Generation, die ein bisschen an dem Trend von damals teilhaben möchte, echt geil, dass es alle fünf Jahre immer mal wieder zu einer Neuauflage kommt und so ein bisschen Luft der 90er Jahre schnuppern kann.

Was sind denn deine Lieblingscolourways von dem 180er?

Marc: Das sind auf jeden Fall der OG Wmns colourway in Lime/Blue und bei den Männermodellen der Ultramarine, der auch den meisten als OG bekannt ist und die OG Version ist, von der es auch die meisten Retros gibt. Es gibt noch ein paar andere OG colourways, die interessant sind. Ich glaube, im Womensbereich gibt es auch einen babyblau/weißen, der auch mega hot aussieht. Es gibt auch einen OG für Männer in orange/lila und man munkelt, dass der dieses Jahr kommen soll. Es gibt tatsächlich Versionen, die bisher nie als Retro aufgelegt wurden und da hoffen wir natürlich, dass es da in Zukunft ein paar Updates gibt. Also bei sind es wirklich die Klassiker.

Wie kommt es, dass augerechnet Coolmodie in diesem Beitrag gefeatured wird?

Marc: Also die Idee, Coolmodie als Protagonisten für dieses Feature zu nehmen, rührt daher, dass er so einer der ersten “Sneakerfreundschaften” meiner damaligen Turnschuhleidenschaft war. Ich habe ihn damals in Ostberlin als Typen kennengelernt, der eine ähnliche Leidenschaft wie ich ausgelebt hat, ähnliche Modelle wie ich gesammelt habe – bei Nike aber auch auch übergreifend bei anderen Turnschuhherstellern. Modie ist auch einer der ersten Typen, die mir einfallen, mit denen man auch privat zusammengekommen und auch im Nachtleben gemeinsam ausgeufert ist. Es gibt da viele durchzechte Parties und wir sind auch beide musikalisch auf der gleichen Ebene und feiern elektronische Musik. Es gibt viele Momente, an die ich mich erinnern kann, wo wir zusammen nachts in den Technoklubs unterwegs waren und tatsächlich anstatt normalen Schnürsenkeln LED Schnürsenkel im 180er “Lime” getragen haben. Damit haben wir dann auf Techno zwischen den Leuten getanzt und die Schnürsenkel haben zu dem Beat geleuchtet. So hatte man natürlich das Augenmerk der ganzen Partyleute, man wurde vollgequatscht, von manche kamen schräge Kommentare nach dem Motto “was seid ihr für Freaks?”.
Wir haben uns beide gesucht, gefunden und uns und unseren Style abgefeiert und deshalb war es mir auch wichtig, Modie als authentischen, freundschaftlichen Part und auch als Part von der Overkill Family eine Plattform zu bieten, um zu dem Re-Release vom 180er und vom 93er seine persönliche Geschichte zu hinterlassen und ihm als Turnschuh Sammler der ersten Stunde die angemessene Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.