Blessings on blessings on blessings… wer ein wenig in der deutschen und speziell Berliner Fashionszene unterwegs ist und sich – wie es bei den meisten der Fall ist – für Rap Musik interessiert, wird wahrscheinlich schon das ein oder andrre Mal über den charismatischen Rapper, DJ und Model VVarholla gestolpert sein und die Hook dieses eingängigen Tracks für einige Tage als Ohrwurm mit sich herumgetragen haben. Wir haben uns mit ihm und seinem Produzeten Honor getroffen, um über ihren Werdegang, Rap im allgemeinen und zukünftige Projekte zu sprechen. Lest selbst, was die beiden zu sagen haben!

Hallo. Stellt euch doch bitte einmal kurz vor. Wer seid ihr, was macht ihr?

VVarholla: Hey was geht! Ich bin VVarholla, kurz für „Whish and Receive, Hold on Love, Live Always”. Das ist mein Mantra, mein Code und nach diesem

Code lebe ich. Aber als normaler Bürger heiße ich Andrew.

Honor: Ich bin Honor. Ich bin der Produzent und mache die Musik. Honour steht für Ehre. Das ist auch mein Mantra. (lacht)

Was macht ihr denn genau?

VVarholla: Ich lebe nach meinem Namen und meine Leidenschaft ist die voll und ganz die Musik. Ich lebe Musik von morgens bis abends und das Genre, was ich ausgesucht habe – wobei sich das Genre eher mich ausgewählt hat – ist HipHop. Zusammen kreieren wir den Sound of Tomorrow. Ich DJ noch nebenbei, denn das ist noch ein netter, schöner Nebenverdienst, der mich immer noch in der Musik lässt.

Du sprichst vom „Sound of Tomorrow“. Was macht denn diesen Sound aus, was ist daran Future?

VVarholla: Was macht diesen Sound of Tomorrow aus… Ich finde, HipHop ist einen langen Weg gegangen und ist eigentlich immer noch jung. HipHop ist jetzt so 45 Jahre alt und immer noch ein junges, freshes Genre. Wagt man eine Retroperspektive, erkennt man, dass sich dieses Genre inzwischen gedreht hat. Mit der Entfernung der normalen Patina wie z.B. mit meinen 16 Bars sage ich dir klipp und klar, was geht, geht es nun zu Mumble Rap über bis hin zu Einflüssen von Rock und Emo-& Screamo Musik. Bei uns ist es so, dass der Sound, den wir kreieren und die Musik so runtergebrochen ist, dass es die Kids anspricht und die sind das Ticket für die Zukunft. Und die Art der Melody, die Art des Contents… ich finde, man kann das gar nicht beschreiben. Man muss es einfach hören. Es gibt so das Saying „Explanation kills Art“, also zu viel Beschreibung einer Kunst lähmt die Kunst.

Also eher so aus dem Gefühl heraus?

VVarholla: Genau! Je älter man wird, desto mehr denkt man über Sachen nach und muss so Erwachsenenscheiß machen. Irgendwelche Rechnungen zahlen, sich um die Wohnung kümmern, all solche Sachen. Und das führt dazu, dass man viel zu viele Gedanken hat, die einen von der eigentlichen Leidenschaft wegbringen könnten. Die Musik, die wir machen soll die Leute so ein bisschen daran erinnern: ‚Lean back, just enjoy yourself being a child.‘

Honor: Wir haben auch die Erfahrung gemacht, dass der Sound in Deutschland auf Englisch nicht angekommen ist. Wir haben Projekte released, die dem Standard aus Amerika entsprechen, würde ich behaupten und das hat in Deutschland überhaupt nicht gezogen. Und deshalb gibt es jetzt auch den Wechsel von Englisch auf Deutsch.

Ja, ich fand das auch interessant und eher außergewöhnlich, dass du auf Englisch gerappt hast. Du sprichst ja auch deutsch und die meisten aus Deutschland rappen eben auch auf Deutsch. Das ist mir schon aufgefallen. War es denn anfangs eine bewusste Entscheidung, das Ganze auf Englisch zu machen?

VVarholla: Es war wirklich eine bewusste Entscheidung. Erstmal ist Englisch meine Muttersprache, ich habe erst so mit 7 angefangen, Deutsch zu lernen. Deshalb waren meine privaten Gedanken und wie ich mir so meine Welt beschrieben habe auf Englisch, genau wie mein Tagebuch, was ich geführt habe. Englisch ist meine Herzenssprache und deshalb wollte ich auch die Musik dementsprechend kreieren. Und ja… nach dem „Test“, nach 1 ½ Jahren englische Musik, die wir gemacht und gepusht haben ist auf jeden Fall ein bisschen was rumgekommen. Ein bisschen Ansehen, eine kleine Community hat sich um den Namen und den Sound gebildet. Aber… der Größenwahn wurde mit dem Ergebnis unserer Musik nicht ausreichend gestreichelt. Und das gleiche zu tun und etwas anderes zu erhoffen ist per Definition von Einstein wahnsinnig. Also haben wir uns gesagt, dass wir irgendetwas im Strategiebuch ändern müssen und die Änderung wird die Sprache sein. Das wird lustig, denn der Sound ist immer noch der selbe, nur die Lyrics werden jetzt deutsch sein.
Wir sind nach Frankfurt gegangen und hatten dort einen kleinen Auftritt. Ich habe meine Show auf Englisch angefangen und wir haben so zwei Lieder gespielt, bei dem die Leute den Vibe gespürt und mitgenickt haben. Dann habe ich einen Cut gemacht und meinte „Die Leute die mich hier kennen, wissen sehr genau, dass ich deutsch reden kann und ich habe euch mal einen deutschen Track mitgebracht. Wenn ihr in hören wollt, sagt mal Hell Yeah!“. Auf einmal ist der Raum da. Die Leute in dem Raum sind alle da und sagen ‚Hell Yeah‘. Ich sage „wenn ihr wirklich den Track hören wollt, dann bildet einen scheiß Kreis!“. Ich rede auf Deutsch – Anweisungen werden befolgt! (alle lachen)
Unglaublich, ich denke mir so ‚was geht ab?‘. Es bildet sich ein Moshpit und wie gesagt, es ist sein [Honour‘s] Sound, der Sound, den wir uns ausgesucht haben, der sich wie der Sound of Tomorrow anfühlt und anhört. Der Track wird gespielt, mit deutschen Lyrics – Lituation! Der ganze Raum rastet aus, zum ersten Mal ein Moshpit und die ganzen 2:30, die der Song geht all auf voll Power mit rumspringen und allem. So bei der zweiten Hook habe ich gemerkt, dass die Leute am Ende so ein bisschen Energie verloren haben und ich meinte dann „ey ihr habt noch Energie! Ich will keinen auf der Stelle stehen sehen!“ und alle rasten weiter aus und befolgen jedes Wort.

Und den Track kannten die noch nicht?

VVarholla: Ja, genau. Den kannten die noch nicht. Das ist der neue, deutsche Track gewesen. Der Track heißt „Kreis“ und es ist ja auch alles ein Kreislauf. Dazu kommt auch bald ein Video raus. Und ja, der Test, den ich da mit den Leuten gemacht habe ist so aufgegangen und das hat mir das Gefühl gegeben, dass die Leute den Scheiß doch verstehen. Anfangs dachte ich, ob es vielleicht an der Sprachbarriere liegen könnte, weil die Leute ja nicht so fließend englisch sprechen, dachte mir aber auch, dass die ja den Sound verstehen. Ich mein, ich weiß ja nicht, ob die bei nem Track von Playboi Carti so genau verfolgen, was der so sagt, aber der Sound lässt die einfach so Party machen. Und deshalb dachte ich auch, dass es auf Englisch funktioniert, weil der Sound eine universelle Sprache ist. Ich dachte, der Sound wird reichen, um die Leute auf meine Seite zu bringen, aber anscheinend hat das I-Tüpfelchen der deutschen Sprache gefehlt, um die Leute wirklich komplett auf mein Boot zu holen. Ich habe das auch auf Instagram getestet. Ich mache da eigentlich super selten Umfragen und habe da auch immer eine eher bescheidene Resonanz. Ich habe dann den Track in meiner Story hochgeladen, also die erste Verse geteast und gefragt, ob ich den Track droppen soll. Und auf einmal hatte ich eine fünfmal höhere Beteiligung als sonst auf meinem Gram! Ich habe mich dann auch gefragt, wieso die Leute jetzt erst den Sound verstehen, wo ich auf Deutsch drauf rede.

Das ist echt ungewöhlich!

VVarholla: Ja, super ungewöhlich! Wir haben Stichproben gemacht – das eine war ja ne super random Live Show bei Trap or Die in Frankfurt um 3 Uhr morgens, wo noch so 150 Leute waren. Da dachten wir ‚ok, zeigen wir den Leuten mal den Track, das sind ja alles solche Trapköpfe. Wenn die den Trapsound mögen, werden sie uns das hier aus der Hand fressen‘. Und da haben die dann auch getan, weil dann die deutsche Sprache draufgelegt wurde. Und ja, das ist gerade der Stand der Dinge. Ich habe von der Masse so ein Verlangen bekommen: „Ey dein Sound ist geil, so wie du aussiehst mit deinem Sound ist geil, aber…“

… red endlich Deutsch!

VVarholla: Ja, fo‘ real Jens! „Red endlich Deutsch!“ (lacht) Das ist so lustig. Wenn ihr es wirklich wollt, dann bekommt ihr es auch. Ey ich hatte es noch nie, dass der ganze Laden nach nem Track geschrien hat und mehr wollte. Davon habe ich so viel Energie getankt. Ich freue mich auch sehr, dass ich aufs Hype Festival eingeladen wurde. Da will ich dann genau das gleiche machen. Vielleicht mache ich das sogar zu so einer durchgängigen Sache. Denn jetzt kommt der psychologische Trick dabei. Ich fange Englisch an und die Leute denken, ich spreche nur Englisch und dann kommt der Track auf Deutsch und die Leute denken, ich habe extra Deutsch gelernt.

 

Extra für den Auftritt!

VVarholla: Genau, extra für den Auftritt und dafür lieben sie mich dann noch mehr. So nach dem Motto „er hat sich voll Mühe gegeben. Integration!“ (alle lachen) Oh mein Gott, das ist hilarious! Als wir in Italien waren haben wir Freunde besucht – Eduardo und Lauro – die dort auch gerade mega Wave auf Italienisch machen. Die ließen uns einen Track auf Englisch performen und ich habe vorher einen italienischen Satz von den Jungs gelernt, den ich dann auf der Bühne gesagt. Und die ganze Crowd hat geschrien. Und deshalb mache ich dann so ein, zwei englische Lieder und dann so „ok Leute, ich kann eigentlich Deutsch, ich habe jetzt nen krassen Track für euch!“

Aber das musst du dann mit Akzent machen!

VVarholla: Ich mach das so auf Kanacken Akzent, mir egal. (alle lachen) Ich geh da voll rein und egal wie ich Deutsch rede, es wird verstanden. Hauptsache, ich rede Deutsch. (lacht) Und ja, deshalb bin ich jetzt auch super euphorisch, diese Tracks zu machen und den Leuten zu präsentieren. Das erste Video ist auch schon gedreht für „Kreis“, den Track, den ich schon gepreviewt habe und wird jetzt demnächst herauskommen.

Alles klar. Bei dem Thema Video würde ich gerne mal einhaken. Inwiefern sind denn Videos heutzutage wichtig. Und ist es euch persönlich wichtig, dass das Ganze auch visuell dargestellt wird?

VVarholla: Ich finde, dass das Visuelle unheimlich wichtig ist. Du kannst deinen Sound haben, aber wenn du dazu noch die visuelle Interpretation lieferst, dann weiß man ‚ach das hat er damit gemeint‘. Das kann das Ganze nochmal auf ein ganz anderes Level schießen, so von ‚das gefällt mir ein bisschen‘ bis ‚kann ich mehr davon haben? Ich bekomme nicht genug davon.‘.

Honor: Wir haben auch die Erfahrung gemacht, dass wenn wir ein Projekt mit drei Songs gedroppt haben, die Leute den ersten Song angehört haben, den zweiten viel weniger und den dritten fast überhaupt nicht. Wenn du heutzutage Singles droppst, nur Singles die ganze Zeit hintereinander weg – so wie dieser 6ix9ine, der droppt nur Singles und die gehen völlig ab – konzentrieren sich die Leute nur auf den einen Song zusammen mit dem Video. So bekommst du viel mehr Aufmerksamkeit, viel mehr Leute folgen dem, was du wirklich damit ausdrücken willst, dem Video mit dem Song zusammen.

Das ist ja auch schon länger zu beobachten, dass es sich das Hörverhalten weg vom sich einem Album zu widmen und sich dieses komplett anzuhören hin zum Konsumieren von Singles geht. Was meint ihr, woran das liegen könnte?

VVarholla: Ich denke, das liegt viel an der geringen Aufmerksamkeitsspanne heutzutage. Die Leute haben soviel Informationszufluss. Natürlich gibt es noch diese Individuen, die so in ihrem Zen sind und sich auf das, was sie mögen fokussieren können. Aber viele Kids, die jetzt so mit iPads aufwachsen, sind vercheckt, weil die links und rechts und überall sind. Und wenn du überall bist, bist du nirgendwo. Das merkst du auch, wenn du auf Spotify mache Alben durchgehst. Du kannst da ja auf dem rechte Balken die Popularity checken und da haben die meisten Plays das erste Lied, das Lieb, was schon als Single erschienen ist und eins, das sich das anscheinend so wie stille Post rumgesprochen hat. ‚Ey check mal Track Nr. 7, der übergeil!‘. Dann skippst du den Rest und gehst nur auf Nr. 7.! Und ja, warum das so ist liegt daran, dass wir viel zu viele Infos links und rechts bekommen. Natürlich kann man das ankreiden oder aber als Businessman darauf aufbauen. (lacht)

Ja, da stelle ich mir aber jetzt die Frage, inwiefern man als Künstler sich davon beeinflussen lässt und so business-driven arbeitet und nur auf Singles produziert, damit die gehört werden und inwiefern das evtl. den eigenen künstlerischen Anspruch schmälert, ein Komplettwerk zu erschaffen. Ein Album, mit dem man eine ganze Geschichte erzählen kann.

VVarholla: Ja so eine sonical Experience. Ich bin 1993 geboren und habe früher auch Alben gehört, die waren ein Komplettpaket und haben dein Leben bestimmt. Das eine Album, das deinen Sommer bestimmt. Das habe ich in meinem Blut und möchte ich auch immer noch herstellen. Natürlich ist die Musik, die ich mache immer für mich – es ist meine Musik. Ich lebe dafür und damit aber ich habe auch so einen leicht altruistischen Drive. Wenn ich sehe, wie heutzutage Musik konsumiert wird, möchte ich auch nicht dagegen schwimmen.

Ist es dann vielleicht ne Strategie, mit Singles erstmal die Leute auf sich aufmerksam zu machen und dann, wenn man so eine Crowd hat, die einem folgt…

VVarholla: …. So ein Soundpaket abgeben kannst, genau.

Macht auf jeden Fall Sinn.

VVarholla: Für mich ist es das absolut geilste, wenn du ein Tape hörst und vom erste ins zweite Lied getragen wirst, vom zweiten ins Interlude und dann ins dritte Lied. So dass man wirklich von Track zu Track getragen wird. Das ist für mich persönlich das allergeilste.

Dann bin ich mal gespannt, was da noch so von euch kommen wird.
Wir haben auch noch gar nicht darüber gesprochen, wie ihr beide angefangen habt, Musik zu machen. Und vor allem auch warum? Was hat euch getrieben?

Honor: Wir haben und durch einen gemeinsamen Kumpel das erste Mal im Studio getroffen, der uns zusammengebracht hat.

VVarholla: Giuseppe! Brah Brah! Wie heißt sein Brand nochmal?

Honor: scrz.scrz. Der hat uns beide ins Studio gebracht und du hast damals noch keinen Track released, oder? Oder doch, zwei Stück, ne?

VVarholla: Ich hatte zwei Tracks. Ich hatte damals Beats auf YouTube geklaut. (lacht) Und dann mit den Iphone Kopfhörern meine Lyrics draufgesprochen und das dann einfach gepostet. Ich wollte einfach Musik machen. (lacht)

Honor: Dann haben wir uns im Studio getroffen, ich habe nen Beat gespielt und wir haben direkt was aufgenommen. Das ist aber nie herausgekommen und war nur so mal zum antesten. Dann kam ein paar Tage erstmal nichts und dann hatte ich zwei Beats gemacht, die krass waren. Ich habe Andrew angerufen und meinte, dass er mal vorbeikommen soll. Da haben wir dann unseren ersten Song gemacht, der vor 1 ½ Jahren auch schon released wurde. Auf Englisch! Und ich würde sagen, 100 Stunden später sind wir zusammengezogen.

Ach, ihr wohnt zusammen? Das ist natürlich gut für so einen kreativen Prozess.

VVarholla: Ja, voll!

Honor: Auf jeden!

Und wie seid ihr so als Einzelpersonen zur Musik gekommen?

VVarholla: Ich glaube, dass ist bei mir alles eher so passiv passiert. Als Kind war ich immer von Musik umgeben. Aber nicht direkt von HipHop, sondern mehr von Soul, RnB, Blues, auch ein bisschen Rock. Ich war als Kind auch richtig MTV fanatisch. Ich bin in einem ganz kleinen Dorf groß geworden und hatte keine Black Faces in meiner Umgebung. Die einzigen Black Faces, die ich kannte, waren die aus meiner Familie. Und dann waren die nächsten Black Faces, die ich kannte, die im Fernsehen. Deshalb habe ich mein ganzes Zimmer mit Postern von Rappern tapeziert.

Wer war dein Favourite?

VVarholla: 50 Cent! Good ol‘ 50. Ja wirklich…. 50. (lacht) Davor war es noch Biggie, weil der soviel Flex hatte. Der war auch

der erste, der so richtig auf Drip war. Mit Fashion und so. (lacht) HipHop war früher ja noch mit mehr Message versehen, als heutzutage, aber Biggie hatte Message UND Drip. Er hatte Versace, den ganzen Rari Scheiß und Ice. Er war einer der ersten, die auch Fokus auf das Äußere gelegt haben. Deswegen war Biggie auch my guy! (lacht)
Ich hatte als Kind viel Zeit für mich und da habe ich mir so die Fragen gestellt ‚warum tapezier ich mir mein Zimmer mit Rappern?‘, ‚warum laufe ich so baggy rum?‘. Diese ganzen Fragen, die ich mir so gestellt habe, haben mich zu dem Punkt gebracht, dass alles, was ich getan habe so sehr von Musik inspiriert war, dass ich meine eigene Musik machen wollte. Ich habe so einen Terz gemacht, um meinen ersten iPod zu bekommen und dann habe ich nicht einmal einen iPod bekommen, sondern nur so einen mp3-Stick.

Oh scheiße! (alle lachen)

VVarholla: Haha ja, aber ich hatte dann wenigstens meine eigene Musikkollektion und musste nicht mehr meinen Dad fragen, ob ich irgendeine CD in die Anlage reinlegen konnte. Dann hatte ich endlich meine private Music auf meinen Kopfhörern. Das war alles so mit 15, 16, 17, wo ich mich der Musik mehr hingegeben habe. Mit 17 habe ich dann meinen ersten Rap geschrieben und ab da war das so ein Ding, das ich jeden Tag gemacht habe, wo ich immer irgendwelche Zeilen niedergeschrieben habe.

Aber zu dem Zeitpunkt auch immer noch alleine?

VVarholla: Ja, immer noch alleine. Ich wollte halt Beats machen, aber da sah es noch so aus, als müsse man sich dafür geisteskrankes Equipment holen. Und ich hatte kein Cash, Bruder! Und bei den Movies, die so an mich herangetragen wurden gab es auch das Ding von 2Pac und Janet Jackson – „Poetic Justice“. Und der hat mir gezeigt, dass, wenn es deine Dedication ist und wenn es deine Passion ist, dann mach es einfach! Selbst, wenn du nicht die höchste Qualität erreichen kannst, hauptsache, du hast es gemacht. Ich konnte zwar keine Beats machen, aber ich hatte Finger und meinen Kopf und ich konnte schreiben. Deshalb habe ich immer geschrieben, bis ich dann meinen eigenen Laptop hatte und ich versucht habe, Beats zu machen. Die waren dann aber alle Schrott und ich dachte mir, vielleicht muss es eine Arbeitsteilung für sowas geben und habe mir dann diese Free Beats aus dem Internet gezogen. Auf die habe ich dann geschrieben und versucht, meinen Flow zu finden.

Wie war es bei dir?

Honor: Bei mir war es früher immer ‚Computer hier, Computer da‘. Ich habe erst 3D Animationen gemacht, viel mit Photoshop und war so ein bisschen in der Gaming Szene. Irgendwann hat sich dann mein Homie und Mitbewohner einen iMac gekauft. Da habe ich so diese „einfache“ Musik aus L.A. gehört – DJ Mustard, YG, Chris Brown und so. Fünf Spuren, nur eine Melodie, ein bisschen Drumkit und so. Da dachte ich ‚ok, das kannst du auch!‘. Ich kann keine Noten spielen, bis heute nicht, keine einzige. Dann habe ich mit Logic angefangen, auf dem Mac Beats zu machen. Nach 2 Jahren habe ich dann das Projekt mit Andrew releaesed. Bin direkt rein und habe mir alles mit Tutorials beigebracht.

Jetzt erzählt mal von euren weiteren Plänen. Wie geht es weiter?

VVarholla: Am 22. 08. bringen wir den ersten deutschen Track raus.

Honor: Das Deutsch-Debut!

VVarholla: Alliteration. Noch einmal Doppel-D, dick solls werden. (alle lachen). Also am 22. Soll es das Deutsch-Debut geben und ich werde versuchen, das noch mit einem Magazin zu pushen, damit es noch mehr official aussieht. Danach wollen wir so ne drei Track Mini EP herausbringen, auch auf Deutsch. Damit die Leute mal mitbekommen, dass es sowas auch in Deutschland gibt. Er [Honour] macht wirklich immer diesen High End Sound, die Homies kreieren immer die High End Videos und ich versuche dann immer, soviel Energie da reinzustecken, als wäre ich schon viermal famous, muss es allen aber nochmal zeigen. (lacht) Das ist gerade so der Fokus.

Ich frage mich gerade, inwiefern physische Tonträger noch relevant sind. Gar nicht mehr, oder?

VVarholla: Ich brauche meine Vinyl! Ich komme noch so aus dieser Zeit. Ich brauche meine Vinyl, wo mein Name draufsteht.

Das ist dann der Ritterschlag.

VVarholla: Das ist wirklich der Ritterschlag. Das ist dann auch ein ganz anderer Modus. Schön und gut, du kommt in deine Bude rein und connectest dein Handy mit dem Soundsystem. Aber es ist ein anderer Modus, wenn du in deine Bude reinkommst und die fucking Vinyls mit deinen Händen greifts, eine rausziehst, zum Player gehst, Nadel hoch, Nadel runter…. und dann kommt der Ton. Das gibt mir einfach noch mehr Sex Appeal. Nadel drauf und auf einmal kommt meine Stimme aus diesem Ding – das brauche ich auf jeden Fall noch! Migos haben z.B. ihr Culture Album auf Vinyl. Future hat auch sein DS2 und die krassen Trap Dinger auf Vinyl.

Ich feier das auch nachwievor. Es gibt ja eh gerade dieses Analog- / Retro-Revival, wo sowas auch gut reinpasst.

VVarholla: Das Ding ist ja auch, dass der basic Musikkonsument Musik wie Wasser betrachtet. Wasser ist for free und für alle da.

Ich finde diese Streaming-Kultur ganz schlimm. Die Leute besitzen ja gar keine Musik mehr. Ich mein, selbst wenn die sich Raubkopien von irgendwelchen russischen Torrent Servern ziehen, besitzen die die Musik dann wenigstens als mp3 in digitaler Form. Aber das ist ja nicht mal mehr der Fall. Musik ist überall erreichbar, man muss sie nicht mehr haben. Vielleicht ist das ein bisschen altmodisch, aber ich finde, dass dadurch eine ganze Menge Wertschätzung verloren geht.

VVarholla: Da geht wirklich ne ganze Menge Wertschätzung verloren! Das ist eine Schlüsselaussage!

Honor: Wobei du ja in Deutschland als Rapper immer noch deine Box verkaufen kannst. Streaming ist in Deutschland noch gar nicht so angekommen. Aber Deutschland hängt ja immer überall hinterher. Streaming ist noch nicht angekommen und Vinyl ist gerade am Explodieren. Die können alle wieder ihre Vinyl Shops aufmachen. Ich habe gerade in der Uni gelernt, dass Streaming hat einen geringen Anteil hat im Vergleich zum Verkauf von Alben und Singles auf CD. In Deutschland kann man das noch Wertschätzen.

Ok, das ist dann cool. Aber diese Box-Geschichte finde ich auch absurd. Es geht ja nur darum, den Verkaufspreis zu steigern, damit man besser chartet. Ich weiß nicht genau, ob es 187 war, aber irgendwer hat den ganzen Standard umschifft und sein Album mal auf nen Dienstag anstatt auf nem Freitag released und so komplett ohne Promophase. Einfach rausgehauen.

VVarholla: So nach dem Motto „if you’re reading this, it’s too late”. Aber gut, die Jungs können es sich auch erlauben. Ist aber ein geiler Move.

 

Wie seht ihr denn so allgemein die Deutschrap Szene in Deutschland und in Berlin? Inwiefern seid ihr connected?

Honor: Ich finde, in Berlin ist es eher so bezirksbezogen. UFO361 in Kreuzberg, Lucio 101 in Mitte und so.

Gibt es denn so Schnittmengen? Unterhält man sich untereinander? Tauscht man sich aus? Oder wird eher der Egofilm gefahren?

VVarholla: Ich finde, das ist immer von der Person abhängig. Aber so, wie wir mit unserer Musik auftreten, wollen wir auf jeden Fall kollaborieren. Denn ich denke, Musik ist für alle da. Und für die Entstehung eines Tracks – und das kann Honor besser beurteilen – kann die Stimme von dem einen Homie oder die Adlibs von nem anderen Homie gebraucht werden. Da kann man auf jeden Fall immer zusammenkommen. Und ich will auch mit den anderen Künstlern zusammenkommen, denn ich brauch kein Ego für mich. Dieser A$AP Mob Moment. A$AP wird gesignt, nimmt aber seine 15 Jungs mit. Und ich glaube, dass die, die nur für sich oder mit den Leuten, die sie kennen arbeiten, sich selbst ins Bein schießen. Krasses Beispiel: ich sehe so Kendrik Lamar, der so sein Ding sehr auf conscious macht. Und dann, einfach weil er es kann, springt er auf ein Rich The Kid Track und rappt nur über Diamanten. Das ist geil. Man sollte sich für einige Sachen nicht zu fein sein und sich nicht selbst einsperren in einer dummen Vorstellung von einem selbst.

Und sonst so eure Meinung von der deutschen Rapszene? Gibt es irgendwas, was ihr besonders feiert oder scheiße findet?

VVarholla: Was ich geil finde, ist meine Musik, die kommen wird! (alle lachen)

Honor: Ich finde, Deutschrap hat sich richtig gemacht. Trap ist z.B. reingekommen. Ich finde, die Broke Boys zusammen mit UFO waren ganz wichtig für Deutschland. Damit hat sich ganz schön was etabliert in Deutschland. Capital [Bra] geht jetzt immer auf Platz 1 mit jeder Single. Find ich gut.

Es ist auch sehr vielfältig geworden, oder?

Honor: Ja, finde ich auch. Es gibt sauviel mehr Variationen als früher. Da waren es Bushido, Kollegah und Farid Bang.

Also eine positive Entwicklung. Was denkt ihr, wie es weitergehen wird? Wird es noch populärer werden? Oder wird es irgendwann einen Einbruch geben, wo die Leute keinen Bock mehr darauf haben?

VVarholla: Irgendwann macht Helene Fischer auch Trap. Safe!

Capital Bra hat ja schon bei ihr wegen nem Feature angefragt.

VVarholla: For real? Das ist geil.

Ja. Ich glaube, nicht direkt bei ihr aber so öffentlich über Social Media.

VVarholla: Trap hat’s geschafft. (lacht)

Honor: Für mich war es ein einschneidender Moment, als Bausa Diamant gegangen ist. Diamant!

VVarholla: Ja, das war für mich auch ein besonderer Moment.

Honor: Damit ist Trap so richtig in Deutschland angekommen.

Das ist krass!

VVarholla: Ja mit Bausa und seiner Diamond-Single ist ein großes Tor geöffnet worden, um noch mehr Variationen aus dem Genre zu zeigen.

Ok, das war’s. Habt ihr noch was zu sagen?

VVarholla: Shout out an Mom! Momma I love ya! (lacht) Am 22.08. wird das Rap Game nochmal geändert und ich werde der nächste sein, der Diamond geht! (alle lachen)

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