Über den Release dieses Schuhs bräuchte man wohl nicht wirklich berichten, denn jeder, der sich für Turnschuhe interessiert, hat wohl mitbekommen, dass der Air Jordan 4 “Bred“ zurückkehrt. Trotzdem tun wir es, denn als Overkill-Blog haben wir auch gewisse Ansprüche. Zum einen wollen wir euch natürlich auf dem Laufenden halten, was zu uns in den Shop kommt, zum anderen sehen wir es aber auch als unseren Auftrag an, bestimmte Schuhe zu beleuchten, ihre Geschichte zu erzählen und über ihre kulturelle Relevanz aufzuklären. Der Air Jordan 4 “Bred“ ist so ein Schuh. Ein Schuh, der sich auch ohne

diesen Post innerhalb kürzester Zeit bei uns ausverkaufen wird, dessen Geschichte aber so bedeutsam ist, dass wir sie erzählen wollen.

Als der Air Jordan 4 im Jahr 1989 für einen Retailpreis von $110 auf den Markt kam, war er zunächst kein Verkaufsschlager. Die vier originalen Colorways White/ Black, White/ Fire Red-Black, Off White/ Military Blue und eben Black/ Cement standen eher in den Shops rum und warteten darauf, preislich reduziert zu werden, um Käufer zu finden. Das änderte sich aber im Laufe des Jahres stark. Dazu beigetragen hat Spike Lees Film-Klassiker “Do The Right Thing“ von 1989, der wortgewaltig und humoristisch die die Spannungen zwischen der schwarzen und weißen Bevölkerung Amerikas

im New York der 80er Jahre explodieren lässt. In zwei Schlüsselszenen des Film trägt der immer auf Stress programmierte Buggin’ Out (Giancarlo Esposito) den Nike Air Jordan 4 White/ Black. In einer der beiden Szenen tritt ein weißer Hausbesitzer im Larry Bird T-Shirt dem Hitzkopf auf seine brandneuen Sneakers, die dann in Großaufnahme zu sehen sind. Es entzündet sich ein Streit um die dreckig gewordenen “brand new Jordans“, im Verlauf dessen Buggin‘ Out von seinem Gegenüber verlangt, ihm neue Sneaker zu kaufen. Das große Coming Out hatte der Nike Air Jordan 4 jedoch in der ersten

Runde der NBA Eastern Conference Play Offs 1989, als Michael Jordan im entscheidenden fünften Spiel in Cleveland einen historischen Buzzer Beater zum 101-100 für die an 6 gesetzten Bulls gegen die an 3 gesetzten Cavaliers über Craig Ehlo versenkte und sein anschließender Freudensprung in die Geschichte einging. In jedem “Best Of Michael Jordan“-Video ist diese Szene zu sehen, genau wie sein Schuh, der Air Jordan 4 “Bred“. In der Folge wollte jeder den Schuh haben. Insbesondere Rapper wie Ice T, Public Enemy oder NWA, die damals den Zeitgeist abbildeten, schmückten sich mit dem Air Jordan 4 und verhalfen ihm so zu noch größerer Beliebtheit.

Als der 4er 1989 heraus kam, wurden Jordan Schuhe offiziell noch als Nike Schuhe geführt und die Zahlen wurden römisch geschrieben, sein tatsächlicher Name war also Nike Air Jordan IV. Und wie oben bereits angedeutet fand die Bezeichnung “Bred“ offiziell noch gar nicht statt. Trotz seiner roten Akzente an der Außensohle und der Zunge fand Rot in der Farbwegsbezeichnung noch keine Berücksichtigung. Geändert hat sich das erst im Jahre 2008 mit der zweiten Retroversion des Schuhs. Der Air Jordan 4 Retro “Collezione“ wurde als Teil des Count Down Packs neu aufgelegt und auf der Box las man Black/Cement Grey-Fire Red als Colorway. Beim ersten Retro im Jahre 1999 hieß es noch lediglich Black/ Cement Grey. Das erste Mal offiziell als “Bred“ bezeichnet wurde dieser Colorway des Air Jordan 4 dann mit seiner dritten Retroversion im Jahr 2012. Der Hype um den Schuh war groß, man konnte ihn damals schon recht schwer bekommen oder musste bereit sein, das nötige Kleingeld auszugeben.

Doch wirklich gerechtfertigt war der vor sieben Jahren schon sehr hohe Verkaufspreis von €180 nicht. Die Qualität der Materialien war mittelmäßig bis grausam und der Shape des Schuhs war völlig daneben. Des Weiteren fand man wie beim 2008er Retro auf dem Heel lediglich den Jumpman statt des originalen Nike Air Logos, welches auch auf dem 1999er Retro noch zu sehen war. Doch Jordan Brand konnte es sich erlauben, so schlampig mit einem seiner größten Klassiker umzugehen, denn man verkaufte ja eh alles aus, was den Namen Jordan trug und irgendwie OG war. Glücklicherweise hat Jordan Brand aus der damals immer größer werdenden Kritik gelernt. Man hat verstanden, dass man nicht nur auf Gewinnmaximierung durch Einsparungen bei Material und Entwicklung setzen darf, sondern dass man auch eine Verantwortung gegenüber der eigenen Historie hat. Und so sehen wir in den letzten Jahren immer häufiger qualitativ gute bis sehr gute Retros, aber auch neue Farbvarianten, die insbesondere durch ihre hervorragende Verarbeitung und tolles Material bestechen.

Und auch dieser Air Jordan 4 Retro “Bred“ überzeugt bei den gerade erwähnten Kriterien. Verarbeitung und Materialien sind top und selbst beim Shape gibt es wenig zu meckern. Das schwarze Nubuk fühlt sich relativ hochwertig an und der Toe Spring hält sich in einem angemessenen Rahmen, so dass man sich keine Bananen an die Füße zieht, wie das früher durchaus der Fall war. Auch das Cement Grey und das Fire Red sind gut getroffen, so dass man dem von Designlegende Tinker Hatfield entworfenen Schuh zu seinem 30jährigen Jubiläum alle Ehre macht. Der Schuh wird bei uns im Overkill Onlineshop am 4. Mai ab 9:00 Uhr erhältlich sein. Bei Ladenöffnung kann man ihn auch in unseren Store in der Köpenicker Straße 195A erwerben. “Be there or be square“ und sichert euch dieses Stück Sneaker-Kultur.

Text: Ernie Beckmann