Unsere Reihe über Berliner Originale geht in die nächste Runde und dieses Mal haben wir uns eine Legende aus Südberlin geschnappt, um mit ihm ein Interview zu führen. Die Rede ist vom einzig wahren Atzenkeepen und Lankwitz Original MC Bogy, der mit Alben wie “Lyrischer Hooligan” und “Willkommen in Abschaumcity”, sowie Features auf den legendären Bassboxxx-Tapes Berliner HipHop Geschichte geschrieben hat.
Es gibt kaum einen anderen, auf den das oft verwendete Adjektiv “real” besser passt, als bei ihm und das konnten wir bei einem sehr lustigen, aber auch mit ernsten Momenten durchzogenen Gespräch feststellen.
Lest selbst!

Hi Bogy. Zum Start des Interviews würde ich gerne mal auf deine Vergangenheit eingehen. Erzähl doch mal, wie du überhaupt zu HipHop gekommen bist! Was waren deine Anfänge?

Bogy: Also meinen ersten Konatakt mit HipHop hatte ich so ’84, ’85, ’86, als es in die deutschen Großstädte kam, bzw. nach Berlin kam. Hier gab es ja auch noch viele GIs und eine Kollegin von meiner Mutter – die Krankenschwester war – war mit einem verheiratet. Die hatte mir Public Enemy Kassetten kopiert.
Mein Vater hat eigentlich Klassik gehört, aber als die HipHop Welle kam, wurde er auch zum Rap Fan. Er hat immer 2 Live Crew gehört, Run DMC, Tone Loc, Ice T, Public Enemy und dann haben wir halt so die Platten gekauft.
Das war damals eh noch ne ganz andere Mentalität mit den Platten. Ich hab in Friedenau in Schöneberg gewohnt und bin dann immer ins WOM in Steglitz oder zu Pinky in die HipHop Läden gegangen. Immer nur alle paar Monate, denn so ne Platte hat 40 Mark gekostet und bei 5 Mark Taschengeld musste man dann lange warten. Aber wir haben die dann tage- und wochenlang vorher angehört, denn es gab da so nen Vorhör-Service. Die kannten mich dann auch schon – immer Schule geschwänzt und da Platten angehört.
Da hingen auch immer Plakate von Public Enemy und so und ich habe dann immer meine Telefonnummer hinterlassen, damit ich die bekomme, wenn die wieder abgemacht wurden. Die Hochetage, wo ich mit meinem Bruder ein Zimmer zusammen hatte, war dann voll mit dem Zeug.
Damals war man auch noch richtig geflasht, es war wie gesagt ne ganz andere Mentalität. Heute hat man kurz nen Klingelton und damals hat man noch Respekt vor nem Album und dem gesamten Werk gehabt. 1988, Ice-T „I’m your pusher“ oder „Power“ – das war wie ne Droge. Ich bin dann immer mit der Musik auf den Kopfhörern rumgelaufen und hatte nen Hoodie an, da stand auf der einen Seite Public Enemy drauf und auf der anderen Seite F-16 Tomcat. Voll paradox, war aber irgendwie cool.
In Friedenau, genau da, wo mein Vater als Fabrikarbeiter angestellt war, war auch die Hall Of Fame von AMOK. Von den Writern müsste eigentlich jeder AMOK auf dem Schirm haben. Und in dieser Hall of Fame waren Sachen, an die nie wieder irgendwas im Graffiti-Bereich herankommen wird. Und da wollte ich dann auch ein Writer werden. 1991… (überlegt kurz) ja, 1991 habe ich so meine ersten Versuche gestartet und 1993 habe ich meinen ersten Train gemacht. Ja genau… 1993 mit meinem Bruder RUZD79, mit dem ich in der legendären JD Crew war. Dabei waren noch FANET und DEDY7 und eben RUZD, der leider verstorben ist. Er war einer meiner besten Freunde und hat sich als Writer sehr stark entwickelt. Von ihm habe ich gelernt, dass man werden kann, was man will. Er wollte Writer King werden, ich Rap King. Ich durfte immer mit ihm mitkommen, obwohl ich vom Writer-Niveau ein paar Keller weiter unten von ihm war. Das hat bei mir halt irgendwann stagniert, weil ich mich aufs Rappen konzentriert habe und ne Zeit lang habe ich auch aufgehört, weil ich ein Messer in die Hand bekommen habe und die nicht mehr bewegen konnte. Naja und als RUZD dann gestorben ist, hat das mein Herz rausgerissen und ich habe danach nur noch das Mic gefickt. Rest in Piece an dieser Stelle! Stefan war eine absolute Legende und ein guter Bruder.
Man darf ihn nicht vergessen, wenn man über Graffiti redet. Wer ihn nicht kennt, darf nicht behaupten, dass er irgendwas von Berlin weiß. Rest in Piece auch an CHIO und MAXIM, das sind auch top Leute gewesen.

Wie war das denn so in der Szene damals? Hatte jeder Bezirk oder Stadtteil so seine eigene Crew?

Bogy:  Nee, es gab ne Writerszene an sich. Und es wurden Gangs gebildet und es gab Hoodcrews. Die Writergangs haben sich immer am S-Bahnhof Friedrichstraße getroffen. Erst war es die ältere Generation mit BASOK, RISK, BISAZ und so, zu denen man graffitimäßig aufgeschaut hat. Dann gab es unsere Generation. Das waren BC, MGS, CMR und dann gab’s noch die Jüngeren: TMR – die habe ich gegründet. Das müsste auch jeder auf dem Schirm haben. Ich bin Berlin Crime Member und man sagt auch, wenn ich und ein paar nette Intensivtäter unterwegs sind, schnappen wir auch gerne mal ein paar Dosen und malen besoffen ein paar Throw Ups. Ich bin im Graffiti verwurzelt und mit meiner Liebe dazu immer verbunden, auch wenn ich schon lange nicht mehr aktiv bin. Ich stand 10 Jahr unter Führungsaufsicht und wenn die Freiheit auf dem Spiel steht, kann man nicht writen. Ich habe dann immer noch mal so ein paar Leinwände gemacht oder so im alten Berliner Style nur mit Bleistift. Das ist jetzt auch kein Disrespect, das ist halt die neue Generation – ich mags auch nicht, wenn wir Disrespect für Chrom Fat Cap Bombing bekommen haben -, aber ich mag diesen Bubblegum Graffiti nicht so. Ich mag den alten Style mit Balken und Schwüngen und Wild Style. Back to the Roots, Return to Zero, weisst du, was ich meine? True to the Game!

Cool. Gab es denn damals auch Berührungspunkte mit der Szene aus dem Osten Berlins?

Bogy: Ja. Da gab es am Anfang auch Konflikte. Mit den Nazis hatten wir große Probleme, denn die kamen rüber und haben einzelne Leute von uns gehauen und dann haben wir – was man auch im Internet nachgucken kann – Nazis gejagt und denen ein paar reingehauen. Mit den Ostlern gab es am Anfang auch Stress, aber später – und da sieht man mal wieder, wie HipHop verbindet – waren wir alle vereint. Das waren die 35er, glaube ich. DMB hießen die, kann aber auch sein, dass ich das durcheinanderbringe. Es gab aber auch Ostler Gruppen, mit denen wir auch von Anfang an gut waren, wie DH oder Pure Hate. Das sind auch ganz gute Brüder von mir. Das ist alles zusammengewachsen. Kriminell ist halt kriminell. Letztendlich kommt jeder aus der Muschi seiner Mutter.

Du hast also eigentlich angefangen zu malen, bevor du mit dem Rappen angefangen hast?

Bogy: Naja, nein. Also ich habe ja schon als Kind mit meinem Papa Takes gemacht. So 86, 88 hab ich ja schon gerappt! Weißt du wie? (macht typische Geräusche, wenn Kinder versuchen, Englisch nachzumachen). So hab ich halt gerappt. Ich habe aber auch einen Edding gehabt und habe immer an die Mülltonnen getaggt.

Also einfach die komplette HipHop-Kultur mitgemacht…

Bogy: Ja genau, dass war alles schon immer da.

 

Und wann hast du mit den ersten professionellen Rap-Sachen angefangen?

Bogy: Naja, manche behaupten, nie (alle lachen). Also ich habe schon seit den 90er Jahren auf Jams  gefreestyled. Bin das erste Mal 1997 auf der BRP von Taktloss unter dem Namen Viagra Bob erschienen (alle lachen). Viagra war Bogy. Die Atzen wissen von dem Tape. Dann bei den Bassboxxx Tapes immer dabei gewesen. 2000 kam mein Album heraus, 2001 steht drauf, 1999 war es eigentlich schon fertig: „Lyrischer Hooligan“ – legendäres Bassboxxx Tape. Das war meine erste CD, aber vorher wäre noch ein Tape gekommen, das aber verschollen ist. Weißt du, manche Bassboxxx Atzen hatten es nicht so mit den Gesetzen und dann gab es dann halt auch Hausdurchsuchungen. Manche Bullen haben es dann auch nicht so mit dem Gesetz und klauen wie die Raben.

Und zack… wurde es beschlagnahmt.

Bogy: Ja und dann ist es wie bei Michael Jackson „Blame it on the Bogy“. (alle lachen)

War das denn damals für dich ne eher schwere Zeit?

Bogy: Die 80er waren die schönste Zeit. Das war mein Wirtschaftswunder. Das Geld lag auf der Straße, wir sind einmal im Jahr verreist, ich habe Takes mit meinem Papa gemacht, die Trains sind gefahren, ich musste keine Miete bezahlen. In den 90ern war ich ja dann schon 13. Meine Kindheit war gut Dank meines Vaters und Dank Rap, Gott sei Dank. Meine Freunde damals kamen ja alle aus Kriegen, die hatten keine gute Kindheit mit den ganzen Bomben und so. Ich wusste das damals schon zu schätzen. Ich bin meinem Vater auch sehr dankbar, dass er mir Rap und HipHop mit auf den Weg gegeben und das gefördert hat.

Also ist er schon so dein größter Einfluß?

Bogy: Hmm… naja. Also ja, weil er mir dieses „Ventil“ gegeben hat. Und er hat mich auch immer verteidigt gegen diese ganzen elitären Leute, die nicht verstehen konnten, wie er mich so ne Musik wie Ice-T und so hat hören lassen. Die haben die Texte halt auch nicht verstanden. Damals war HipHop und Rap ja auch gar nicht Pro-Kriminell. Es wurde ja auch viel gegen Drogen und gegen Gewalt und so gerappt. Das verstehen die ja immer alle nicht. Die ersten Banger, die ich hier kennengelernt habe … 9:25…… . Die Geschichte wird immer verdreht. Rap ist wie ein Boxverein. Die Leute kamen kaputt dahin und das hat sie nur aufgefangen. Die wurden da nicht kaputt gemacht. Aber so ein CDU Politiker sieht das anders. Deshalb gehe ich auch nicht wählen. Bassboxxx Atzen dürfen ja nicht wählen. Wir haben das AGB, nicht das StGB. Das Atzengesetzbuch.
Aber wenn du es schon ansprichst, schwere Zeiten gab es für mich Ende der 90er. Da war ich in einige Sachen verwickelt. Stand in der BILD, mein Elternhaus war problematisch und auf der Straße habe ich viel Scheiße gemacht. Viele Überfälle, viel Gewalt… ist viel passiert durch dieses Leben. Drogen verkauft, Drogen genommen. Irgendwann bin ich auch kaputt gegangen an dieser ganzen Scheiße, hab Psychosen bekommen, war 10 Jahre krank und auch 1,5 Jahre im Knast. Das war ne Scheißzeit. Ist halt wie Yin Yang, wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten.

Das ist richtig. Meinst du, dass du ohne HipHop…

Bogy: Verloren. Ich wäre verloren gewesen. Rap war immer da, wenn ich in der Psychatrie oder im Knast war. Ich hab da immer geschrieben. Alle um mich herum sind mit der Technowelle verdummt. Aber die ganzen Pillenjunkies haben damals auch meine Sneaker finanziert. (alle lachen)

Also ist Rap schon ein wesentlicher Teil deines Lebens?

Bogy: Klar. Das ist meine Kultur. Das ist so, als wenn du nen Schlagzeuger fragst, wie wichtig für ihn Rockmusik ist. Ich brauche Musik. Es gab auch mal ne Zeit, da durfte ich keine Musik hören, da war ich in Isolationshaft. Das war grausam.

Was denkst du denn so von der heutigen HipHop Szene?

Bogy: Gemischtes. Ist alles groß und ne ganz andere Szene, ist Mainstream geworden. Auf den Berliner Parties sind 80% Zugezogene. Klar, die sind alle ins Haus gelassen worden, aber wir wohnen inzwischen im Keller und die in der Dachgeschosswohnung, weil die Majors ihr Geld machen wollen. Was soll ich sagen, ich sehe es immer noch als große Familie. Mit schwarzen Schafen – z.B. Bogy. (lacht) Nee, aber ich liebe Rap und bin stolz auf meine Stadt.

Du akzeptierst also auch so neuere Strömungen wie Trap und so?

Bogy: Ja, ich mache ja auch ein bisschen Trap. Ich bin da nicht so festgefahren. Schlimm ist es, wenn Grundgesetzte gebrochen werden. Wenn ich auf ne Party gehe und meine Brüder nicht reingelassen werden, weil es sonst angeblich Krawall gäbe, finde ich das zum Kotzen. Rap ist gegen Rassismus. Es darf keine Rap Party geben, wo nach Rassen getrennt wird. Und wenn Künstler, die eigentlich keine Berechtigung riesige Etats bekommen und gute Künstler seit Jahren nicht mehr gefördert werden. Das ist halt eine Industrie, wo Geld drinsteckt. Wie beim Sport. Da ist vieles korrupt und fake und scheiße. Aber ich liebe HipHop ja nicht für die Industrie sondern für den Kern, für die HipHop Kultur.

Die 90er Jahre waren auch meine Rap-Zeit und ich weiß noch, dass damals alles, was kommerziell ein bisschen erfolgreicher war, als Sell Out verschrien und verpönt war. Aber der Wachstum hat natürlich auch viele Vorteile und vieles im Untergrund würde durch den Erfolg von Rap vielleicht auch gar nicht mehr existieren.

Bogy: Ja klar, ist richtig, ist halt ein Markt geworden. Ist ja auch alles im grünen Bereich. Aber nehmen wir mal Schwergewichtsboxen. Mike Tyson ist zwar pleite, war aber der beste Boxer der 90er Jahre. Alex Schulz hat heute mehr Geld als er. Was die Plattenfirmen machen, ist nach Klicks und Verkaufszahlen schauen und denken, so kann man vernünftig MCs bewerten, was aber nicht richtig ist. Das ist die Industrie. Die kann aus allem nichts machen und aus nichts alles und aus nichts kacke und aus kacke nichts.

Du hast dann auch irgendwann ein eigenes Label gegründet. Warum?

Bogy: Bassboxxx ist zerfallen und ich wollte halt weitermachen. Man muss sich um seinen eigenen Mist kümmern und dann macht man halt seinen eigenen Independent Film. Bevor ich beschissen werde, bescheiße ich lieber selber.

Und das hat auch so für dich funktioniert?

Bogy: Großer, was heißt funktioniert? Das ist halt ein Independent Label, das ist Stolz. Das ist so, als wenn du einen Hamburger Laden hast. Verkaufst du was, bist du froh. Und so ein Universal ist von den Verkaufszahlen wie ein McDonalds. Das ist Industrie, das ist ein ganz anderes Thema, da kann ich nicht mithalten. Ich betreibe mit stolz das Label und kann mit Stolz sagen, es bringt den besten Gangster Rap Deutschlands und Europas raus.

Was können wir denn so in Zukunft von dir erwarten?

Bogy: Mein neues Album „100%“ kommt. Ich habe vor einem Jahr den Alkohol aufgegeben, ganz wenig Drogen, außer Weed, das geht immer. Aber Weed ist auch keine Droge. Mein stärkstes Album nach „Biografie eines Dealers“, das vor 1 ½ Jahren herauskam. Wieder produziert von B-Lash von SupaFunk, mit dem ich jetzt ein Leben lang zusammenarbeiten werde. Wie Guru und Premo. „100%“ ist ein bisschen moderner, da hab ich auch so Trap Sachen dabei. Das Album ist meine Meisterarbeit und da sind Features drauf von Veysel, Kool Savas, Frauenarzt, Baba Kaan, B-Tight, Gazi 030, MC Basstard und so weiter.

Also auch alte Weggefährten mit dabei.

Bogy: Alte Weggefährten. Die Spezialisten, nur die Elite!

Gibt es einen „Gefährliche Poeten“ Part 2?

Bogy: Nee, aber es gibt „Unendliche Munition 2“.

Ok, krass.

Bogy: Das erste Video hat Eazy Does It auch schon abgedreht. Props an die Jungs.

Ja, die machen nen guten Job. Wann kommt das Album?

Bogy: Also die nächsten Wochen wird es die erste Videoauskopplung geben. „Punisher“ heißt der Track. B-Lash hat ihn produziert, Eazy Does It hat ihn abgedreht.

Nice, wir sind gespannt. Mal ein anderes Thema, was auch aktuell ist. Bei TV Straßensound hast du ja mal die Rollen getauscht und bist nicht mehr der interviewte Künstler, sondern der, der die anderen interviewt. War das eine neue Herausforderung für dich?

Bogy: Das ist einem bekannten Freund von mir eingefallen. Das war eigentlich für Frauenarzt als Gimmick gedacht. Und es war schon ganz lustig, einen deiner Kumpels zu interviewen. Ich als alter Lankwitzer, die alles schaffen außer Hauptschulabschluss, hab dann ein vollwertiges Interview gemacht. Naja… nicht vollwertig. Du weißt ja selbst, ich bin 50% Freakshow, 25% Sympathie und 25% bei den Gesprächen ist dann doch sehr hohes Niveau. Das hat sehr viel Spaß gemacht. Ich habe die letzten Jahre auch erst die sozialen Netzwerke kennengelernt, Facebook, Instagram, mit denen ich hoffe, wieder mehr ins Business reinzukommen. Ich war ja die ganze Zeit da und habe released, aber keine Promo gemacht. Ich komme aus Zeiten der Printmedien. Und dann war klar, dass ich entweder bei diesem neuen Ding mitmache oder auf der Strecke bleibe. Das lief auch alles ganz gut, ich bin aber dann doch zu Old School, um selber einen Blog zu haben. Meinen Block habe ich unter Kontrolle, den Kamaradenweg, aber so ein Blog im Internet ist dann doch ne andere Sache. Mein Freund Davut hat mich dann gefragt und angeboten, seine Plattform zu nutzen und seitdem bin ich fester Part von TV Straßensound. Davut und ich sind Partner und freuen uns. Wir machen legendäre Interviews. Jetzt am Wochenende habe ich wieder fünf Interviews gemacht.

Krass, mit wem?

Bogy: Wenn ich das wüsste! (alle lachen) Haha, nee. Also mit Fard, Aci Krank, Crystal F, Kane und…. B-Tight. Ach nee, der war ja schon.

Cool, dass du auch mal nen anderen Weg gehst.

Bogy: Ich find das sehr gut, weil das in meiner Kultur stattfindet. Ich bin in meinem Teich, schwimme in meinen Gewässern, mache aber etwas anderes. Das ist wie vom Brustschwimmen auf Rückenschwimmen wechseln und es tut meine grauen Zellen gut. Die Tage, wenn ich mit dem Davut so herumcruise – oldschool vollgekifft – und mit Leuten quatsche machen voll Spaß. Ich bin da auch sehr dankbar, dass ich die Chance bekommen habe.

Und es bestimmt auch ganz nice, mal so ein anderes Standing in der Szene zu bekommen und dass man dich von einer anderen Seite kennenlernen kann.

Bogy: Ja. Ich war damals ja auch schon Platz 1, habe zehntausende Mixtapes verkauft, wurde aber nie gesignt. Da wurden immer Rückzüge gemacht, weil es auch immer Vorurteile uns gegenüber gab. Viele dachten, wir sind Nazis, aber genau das Gegenteil ist der Fall. Dann kommen wir aus Südberlin – heutzutage kommen wie Fler ja alle aus Südberlin, dabei sind es Schöneberger – und deshalb dachten alle, wir wären irgendwelche Bauerntölpel. Die elitären Bonzenkids wussten überhaupt nicht, wo wir herkommen. Und mit diesen Vorurteilen kam dann auch immer so ne Berührungsangst. Viele dachten gleich, ich bin so ne Art Kannibale, der kleine Hundewelpen frisst. Und das stimmt halt nicht. Ok, bei Katzen wird’s eng, aber Hunden und kleinen Babies tun wir nix. (alle lachen)
Aber ja, klar ist das schön. Das ist so, als wenn man vorher dachte, bei Overkill kann man nur Eddings kaufen und man sieht jetzt, dass es da auch Schuhe gibt. Es ist nichts schlechtes daran, mehr Leute zu erreichen, vor allem, weil ich mich nicht dabei verbiegen muss. Für mich ist das geil.

Overkill ist eine gute Überleitung! Was verbindet dich persönlich denn mit Overkill?

Bogy: Ich kann mich erinnern, da war ich glaub ich in der 7. Klasse, dass es das Overkill Magazin gab. Das war ein tolles Magazin. Das war auf der Straße so begehrt, dass es Bootlegs davon gab. Mein Freund Osama hatte das. Seine Mutter hat im Krankenhaus gearbeitet und uns das immer kopiert. Wenn wir das in bunt hatten, war das ein Traum. Die ersten Seiten waren immer die ganzen Tags. Da konnte man von POET, LAZER, SHEK oder WESP deren legendären One Liner Tags sehen, ein kurzes Vorwort gab’s auch, der letzte aktuelle Train wurde gezeigt und dann gab es da auch immer so Specials. In dem Heft war der ganze elitäre, niemals mehr erreichbare Old School Style und die ganzen alten Crews. Das waren die ersten Babyschritte von HipHop, ganz klar! Props an Overkill. Ein legendäres HipHop Magazin.
Und dann gibt es da natürlich noch euren Laden. Ein Kumpel von mir hat hier damals gearbeitet, mit dem habe ich auch Trains gemacht. Und da bin ich natürlich auch mal hergekommen. Und ja, ihr habt vernünftige Schuhe. Auch Dosen, da kann man sich immer eindecken. Ihr habt euch von nem kleinen Untergrund-Magazin zu nem Laden entwickelt, den man europaweit kennt. An der Stelle gratuliere ich euch mal.

Kommen wir mal zum Thema Turnschuhe. Kannst du mir deine Top3 Sneaker aller Zeiten nennen?

Bogy: Also Top1 ist eigentlich mein adidas AT-AT Schuh, der jetzt leider rosa ist, weil ich einen zusammengeschlagen habe. Der hat sich durch das Blut von grau zu rosa verfärbt. Ich trage natürlich auch gerne Puma, das ist meine Sponsormarke, also auch Top1. Eigentlich habe ich nur Top1 Schuhe, dreimal Top1. Natürlich trage ich auch gerne Jordans zum Laufen – ich hoffe, Puma löst jetzt meinen Vertrag nicht auf. (alle lachen) Und dann trage ich noch einen Schuh sehr gerne, der gar nicht so in eure Rubrik fällt, aber wollen hier ja die Wahrheit sagen. Und zwar Timberland Schuhe. Ich bin oft enttäuscht, dass Schuhe nicht nur durch Verschleiß, sondern auch durch Chillen auseinanderfallen. Mein Kumpel hat jetzt extra für unsere Lieblingsschuhe, die wir dann auch zweimal haben, so ein Gerät zum Vakuumverpacken geholt. Und bei Timberland finde ich so toll, dass man sich ein Paar holt und dann nie wieder welche holen muss.
Ich trage den hier gerade voll gerne (zeigt auf seine Füße).

Ein Puma Basket, sehr gut. Ein Klassiker.
Also du interessierst dich schon für Sneaker!?

Bogy: Also ich sag mal so, abends gucke ich mir im Internet andere Seiten an., da haben die keine Sneaker an. (alle lachen). Nee, Spaß. Ich muss noch ganz vielen Leuten in den Arsch treten, da brauche ich viele Schuhe. Ich bin kein Fan, ich bin abhängig von euch! (alle lachen)
Ich mag z.B. auch deine eher (Air Jordan VI), weil die so ein bisschen Retro sind. Mit diesen ganzen neongrünen, mit denen man sich auch die Zähne putzen kann, bin ich ein bisschen überlastet.

Verstehe, ist also alles eher so ein bisschen Old School bei dir. Das bedienen wir ja auch.

Bogy: Genau. Und man sieht es ja auch, ich mache gerne Sport und da spielt auch das Fußbett ne kleine Rolle. Bei mir kommt auch Bequemlichkeit zuerst und dann Optik. Converse Chucks finde ich zum Beispiel sehr schön, kann ich aber einfach nicht tragen, weil das Fußbett gar nix für mich ist.
Ich habe neulich etwas Interessantes gesehen, dazu kann ich dich vielleicht mal fragen. Jetzt interview ich dich mal, lieber Jens.

Haha, ok hau raus!

Bogy: In der letzten Zeit von unserem grandiosen Sportstudio, bevor es zugemacht hat – da haben legendäre Athleten des Bodybuildings aus der ganzen Welt trainiert – da war auch ein ehemaliger Mr Universum, der hatte so Schuhe an, wo die einzelnen Zehen abgetrennt waren. Und dann hab ich noch nen anderen Bodybuilder da gesehen, der die hatte. Die schwören anscheinend darauf. Kennst du die?

Ja, ich weiß, welche du meinst. Ich weiß jetzt auch nicht genau, wie die heißen, hab ich aber schonmal gesehen. Die haben wir nicht im Sortiment.

Bogy: Ich lass mir jetzt genau diesen Puma Basket (zeigt wieder auf seine Füße) – den habe ich nämlich zweimal – mit Airbrush besprühen.

Ja perfekt bei nem ganz weißen Schuh.

Bogy: Ja, wollt ich gerade sagen. Was empfiehlst du mir als Overkill Mitarbeiter? Ganz normal Airbrushen? Aber dann kann man die nicht mehr tragen, wa? Sind dann eher was für die Vitrine.

Mmmh… ja, da nimmste besser spezielle Lederfarbe. Angus Leather Paint gibt es da z.B., damit arbeiten die meisten, glaube ich.

Bogy: Ne zeitlang war das ja richtig Mode.

Ja auf jeden, besonders im HipHop. Auch früher mit den ganzen Jeansjacken, wo dann hinten die Pieces drauf waren.

Bogy: Ja, voll geil!

Ok, grundsätzlich war’s das. Hast du noch etwas, was du loswerden möchtest?

Bogy: Wenn die Leute Spaß an Rap haben und Lust auf Westberlin Hardcore Rap haben, aber auch auf Balladen: checkt mein neues Album „100%“, da ist alles dabei. Kommt in den nächsten Wochen. Props an Overkill. Props an NMK. Eine Liebe. Bogy, der Atzenkeeper.

Vielen Dank!